Einfach gute Mondbilder

 

 

 

 

 

 

 

Am Freitag den 27. Juli gibt es eine totale Mondfinsternis, die in ganz Deutschland zu sehen ist.
Während auf Sylt der Mond schon verdunkelt aus dem Wasser steigt und nur ganz knapp überm Horizont zu finden ist, haben wir im Süden Deutschlands deutlich mehr Zeit unsere Kamera genau aufzustellen.

19:14

Fr, 27. Jul

Nicht sichtbar

Halbschattenfinsternis beginnt
Unter Horizont

103°

-14.9°

20:24

Fr, 27. Jul

Nicht sichtbar

Partielle Finsternis beginnt
Unter Horizont

115°

-4.3°

20:48

Fr, 27. Jul

Nicht sichtbar

MondaufgangUnter Horizont

119°

-0.2°

21:30

Fr, 27. Jul

 

Totale Finsternis beginnt

Der Kernschatten bedeckt den gesamten Mond,
der als rötliche Scheibe am Himmel zu sehen ist.
Achtung: Mond befindet sich jetzt nur knapp über dem
Horizont. Sorgen Sie für möglichst freie
Sicht Richtung Südost.

127°

5.0°

22:21

Fr, 27. Jul

 

Max. Verdunkelung

Der Mond ist dem Mittelpunkt des Erd-Kernschattens
am nächsten.

137°

11.2°

23:13

Fr, 27. Jul

 

Totale Finsternis endet

Die ersten direkten Sonnenstrahlen erreichen wieder
den Rand der Mondoberfläche.

148°

16.2°

00:19

Sa, 28. Jul

 

Partielle Finsternis endet

Der Kernschatten der Erde verlässt die Mondoberfläche.

163°

20.7°

01:28

Sa, 28. Jul

 

Halbschattenfinsternis endet

Der Halbschatten der Erde verlässt die Mondoberfläche.

180°

22.3°

Die erste Zahl in der oberen Tabelle läßt sich einfach mit einem Kompass (etwa am Handy überprüfen) – 0 ist Norden, 90° Osten und 180° Süden, die zweite Angabe erklärt wie hoch der Mond über den Horizont steigt.  Der Mond ist zu Beginn der totalen Finsternis wirklich nur knapp überm Horizont sichtbar.
Noch genauer und dann auch für jede Stadt finden Sie diese Daten auf der Internetseite

https://www.timeanddate.de/finsternis/in/deutschland/muenchen

Hier möchte ich kurz erklären, wie ich diese Finsternis fotografieren und welche Einstellungen ich nutzen will.

Zwei Serien schweben mir vor, einmal eine, auf dem die gesamte Phase der totalen Finsternis zu sehen ist und eine zweite, die nur den Mond zu den verschiedenen Zeiten zeigt.

  • Vorbereitung
    Schon heute Abend stelle ich die Ausrüstung dafür zusammen, lade alle Akkus noch einmal auf, wechsle die Batterien bei der Fernbedienung, der Stirn- und der Taschenlampe. Ich kontrolliere die Schnellkupplungen und richte sie So ein, das ich einen Akkuwechsel vornehmen kann, ohne die Kamera vom Stativ nehmen zu müssen. Eine Thermokanne, zwei Campingstühle und eine Rolle Klebeband (Gafferband) vollständigen die Ausrüstung für das nächtliche Foto-Abenteuer. 

Bereits gestern habe ich knapp eine halbe Stunde gegoogelt mit den Stichworten, Sonnenaufgang, Mondaufgang, Blutmond, Bloodmoon und das in Verbindung mit Orten. So habe ich – neben meinem Münchner Lieblingsplatz – drei weitere Orte gefunden, die recht spannende Vordergrund-Motive offerieren.

 
All meine Canon DSLR-Kameras, auch die Neueste arbeiten mit der Firmware – manche sagen auch „Hackersoftware“ dazu – mit Magic Lantern https://magiclantern.fm/. Das bedeutet, dass ich die Auslösesequenz und auch die HDR-Belichtungsreihe kameraintern einstellen und so auf jede Fernbedienung verzichten kann.
 
BildqualitätHier nun der Arbeitsablauf für die erste Serie, die die verschiedenen Mondphasen später in einem Bild wiedergeben soll.

  • Welches Objektiv?
    Ich werde ein 35 mm/1:2 Objektiv für meine Vollformatkamera einsetzen (Bei APS-Format entspricht das einem 24er mm Objektiv, und Olympus /Fuji sollte um 18 mm sein). Damit bekomme ich die Volle Finsternis auf ein Bild. Will ich noch Zwischenphasen mit ins Bild bekommen, muß ich stärkeres Weitwinkel einsetzen und mir einen Vordergrund suchen, der weiter entfernt als 20 m Meter ist, damit ich keine Problem mit der Schärfentiefe bekomme, obwohl nach Hyperfokaler Naheinstellung auf 4,5 m und Blende 4,5 einen Schärfenraum von 2,5 bis Unendlich habe.
  • AF-Einstellung
    Ich stelle die Schärfe bei 10-facher Vergrößerung manuell ein und fixiere bei einem Zoom die Brennweite und sonst nur die AF-Einstellung mit dem Gafferband. Je nach verwendetetm Objektiv sollter der Stabilisator ausgeschaltet werden
  • Weissabgleich.
    Der Weißabgleich steht auf 7000 Kelvin (Symbol Haus mit Schatten) und ISO auf 200.
  • Bildqualität
    Als Bildqualität ist Raw und beste JPG-Qualität eingestellt.
  • Belichtung
    Der helle Mond kann ganz schnell zu Überbelichtungen führen, deshalb unbedingt die Überbelichtungswarnanzeige, bei Nikon die „Lichter“, bei Sony das „Zebra“ oder wie sonst der rechte Anschlag (Blinken) am Histogramm auch benannt wird..

    Die Belichtungsmessung selbst findet bei mir im AV bzw. A (Blendenvorwahl) bei Blende 4 oder 5,6 statt.

Dann muss nur noch der Himmel und das Wetter mitspielen und die Kamera kann ganz brav alle drei Minuten ihre 5 Aufnahmen aufnehmen. Sollte beim Blutmond die Belichtungszeit auf 1 Sekunde oder länger zugehen, wird auf 400 oder sogar 800 ISO erhöht.

  • Weiterverarbeitung  und Bildentwicklung:
    Später zuhause werde ich dann etwa 8 bis 10 JPGs in Adobe Lightroom auswählen, eins entwickeln, dann die anderen synchronisieren und als Ebenen in Photoshop hochladen. Dort lassen sich die Ebenen automatisch ausrichten und in ein Smartobjekt umwandeln. Im Modus „Maximum“ ergibt das dann eine hoffentlich wunderschöne Mehrfachbelichtung. Erst wenn mir das Ergebnis gefällt, wiederhole ich den ganzen Vorgang mit den in Lightroom zusammengefügten Belichtungsreihen aus Raw-Bildern.

    Die zweite Serie
    werde ich mit vierhundert Millimeter Brennweite aufnehmen. Ob dabei zusätzlich der 1,4x Extender zum Einsatz kommt, entscheide ich kurzfristig. Eher nicht, denn ich will mit möglichst großer Blendenöffnung – mit 5,6 fotografieren und für den Mond benötige ich keine Schärfentiefe

ISO-Einstellung
Ausnahmsweise fotografiere ich nun mit ISO-Automatik – eingeschränkt auf 100 bis 1600 ISO und einer längsten Verschlusszeit von 1/30 Sek.

  • Belichtungsmessung

Die Belichtungsmessung ist auf Spot gesetzt und da das dann zu einem „dunkelgrauen“ Mond führt, gebe ich eine Pluskorrektur von 1,6 (EV) vor.
Der Mond wandert sehr schnell durch das Bild und da ich keine automatische Nachführung besitze, muss ich das von Hand vornehmen. Dazu habe ich im Sucherbild das 3er-Gitter eingeschaltet und kann mich daran und an den AF-Einstellpunkten gut orientieren.

  • Bildentwicklung
    Auch hier werden später zuerst Jpg-Bilder als Ebenen hochgeladen. Diese lasse ich automatisch ausrichten, schneide dann den ganzen Stapel und speichere die Bilder wieder einzeln ab (Kein Smartobjekt). So kann ich nun die Aufnahmen passgenau zusammen montieren etwa für eine Überblendung oder ein kurzes Video.

Ich freue mich auf eine spannende Foto-Nacht.

Zum Einsatz, etwa zum genauen Festlegen des Aufnahmestandortes kommen bei mir noch die App „Moonseeker“ und die sehr umfangreiche „PhotoPills“

Ich freue mich, wenn ich auch von Ihnen spannende Mondbilder und Sequenzen zu sehen bekomme, vielleicht auf Instagram und dann bitte mit dem Hashtag #Mondfinsternissüchtig 

About fototrainer

Fotodozent, Fotograf, Redaktionsbüro https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Bugdoll

2 Comments

  1. Hallo Hr. Bugdoll, vielen Dank für die vielen Tipps. Da ich ein Social Media Apstinenzler bin, kann Ich Ihnen nur einen normalen Link zun Blog anbieten: http://www.blog.imagebox.de/?p=7405
    Ich fand, der Mond war in der Anfangsphase auf Grund des noch relativ hellen Himmels nicht gut zu sehen. Aber für den ersten Wurf … bin ich zufrieden. beste Grüße, Peter Ehlert

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