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Letzte Änderung am 12. Dezember 2023

Gewusst wie – das Histogramm

Eine der wichtigsten Errungenschaften der digitalen Fotografie ist die Möglichkeit, die Belichtung und die Auswirkungen der damit verbundenen Parameter schon vor der Aufnahme überprüfen zu können.

Hier sind fünf Vorteile der Verwendung eines Histogramms in der Fotografie:

  1. Belichtungskontrolle: Ein Histogramm ermöglicht Ihnen, die Belichtung in der Kamera zu überprüfen und ungewolltes Abschneiden von Schatten oder Lichtern zu vermeiden.

Auf diese Weise können Sie mit dem Histogramm schon vor der Aufnahme sicherstellen, dass Ihre Fotos perfekt belichtet sind, bei älteren Kameras erst nach der Aufnahme. Das Histogramm zeigt Ihnen die Helligkeitsverteilung in Ihrem Foto an.

Unterbelichtet- rechts ist viel Platz, + 2,6 EV
Perfekt: Beim Belichten und nicht beim Entwickeln

In den meisten Fällen – gut 80% – können Sie mit dem Histogramm sicherstellen, dass Ihre Fotos alle Details wiedergeben. Doch durch unterschiedliche Mengenverteilungen (beim Motiv) etwa viel oder gar kein Himmel kann es zu Fehlinterpretationen des Belichtungsprogramms kommen. Das Histogramm hat dann zu viele dunkle oder helle Werte.

Bei den restlichen 20 % der Aufnahmen kann es zu anderen Problemen kommen. Wenn das Motiv einen großen Dynamikumfang hat, also sehr helle und sehr dunkle Bereiche enthält, kann es passieren, dass einige der Helligkeitswerte aus dem Histogramm fallen. Die dunklen Bereiche sind dann zu dunkel und enthalten keine oder wenig Details. Die hellen Bereiche sind zu hell und überstrahlt – das bedeutet Informationsverluste.

Um diese Probleme zu vermeiden, sollten Sie das Histogramm vor der Aufnahme überprüfen. Wenn Sie sehen, dass einige der Helligkeitswerte aus dem Histogramm fallen, können Sie die Belichtung anpassen – durch Plus/Minus-Korrekturen und nur damit. Eine Verstellung von ISO, Zeit oder Blende zeigt nur im “M”-Modus seine Wirkung.

  1. Rauschunterdrückung: Das Histogramm bietet eine zuverlässige Möglichkeit, Ihre Bilder zu bewerten und zu optimieren. Rauschen entsteht häufig durch „Aufhellen“ bei der Entwicklung. Besser belichtete Schatten verhindern also rauschen und bieten mehr Details.
  2. Zuverlässigkeit:
    Das Histogramm ist genauer als der LCD-Bildschirm, der nicht immer deutlich die Belichtung des Fotos anzeigt. Das Histogramm hilft Ihnen zu entscheiden, ob Sie ein anderes Foto mit anderen Belichtungseinstellungen machen möchten, machen sollten.

Das menschliche Auge kann etwa Werte bis zu 24 EV-Unterschiede erkennen und auseinanderhalten, doch fotografisch können bei den besten Sensoren immerhin noch Szenen bis zu 16 EV festgehalten werden. Aber drucken kann man das nicht, sondern nur die – vereinfacht formuliert – was auf dem Display der Kamera bzw bei der Softwareverarbeitung angezeigt wird – etwa 5 EV-Werte.

Ferner ist die Bildaufzeichnung linear, dargestellt wird es aber logarithmisch. Auch unser Auge sieht nicht linear: Wenn Du einen Raum mit einer zweiten (identischen) Lampe erhellst, ist er doppelt so hell. Jetzt müsste die Lampenzahl wieder verdoppelt werden, um die doppelte Helligkeit zu erhalten. Doch unsere Augen sind schon mit drei Lampen zufrieden. Ein logarithmisches Histogramm ist also besser geeignet, um die Details in den dunklen Bereichen eines Bildes zu erkennen.

Aber unabhängig davon, eine Graukarte mit 18% Reflexionsvermögen landet genau in der Mitte des Histogramms. Von links bis zur Mitte werden also nur 18% der Helligkeitswerte dargestellt, rechts davon 82%. Deshalb finden sich die Hälfte aller Helligkeits- und Farbwerte im letzten Teil des Histogramms.

Weisses wird Grau und ist somit -2 1/2 EV unterbelichtet
auch hier noch leicht unterbelichtet – +1 ist notwendig

Immer wieder liest man, dass es besser ist, leicht unter zu belichten, damit die Farben satter und kräftiger werden. Doch dadurch wird manchmal – erst beim Entwickeln – das Rauschen erst produziert und sichtbar gemacht.

Für RAW-Fotografen muss es heißen – so weit wie möglich nach rechts zu belichten, ohne dass es zum Anschlag, zum Clipping kommt. Ein gutes RAW-Histogramm wirkt oft auf den ersten Blick zu hell. Zu hell ist es nur, wenn es anschlägt. Helle Stellen lassen sich bequem anpassen. Wie hier bei dem Beispiel mit einem Klick in Lightroom

Erfahrene Fotografen lassen sich das Histogramm in den RGB-Farben anzeigen, denn das Clipping in Rot ist gefährlicher als das Clipping in Blau. Das liegt daran, dass das menschliche Auge Rot sehr sensibel wahrnimmt.

Speichern Sie so viele Helligkeitsinformationen wie möglich – wie das Histogramm nach einer Entwicklung etwa mit Lightroom aussieht, ist im Augenblick der Aufnahme unwichtig.

Ein Beispiel für das Clipping in Rot ist ein Sonnenuntergang. Wenn der Himmel überbelichtet ist, kann das Rot des Himmels blass oder sogar weiß erscheinen. Das ist ein typisches Beispiel für eine Überbelichtung in Rot. Ein Beispiel für das Clipping in Blau ist ein Wasserfall, der dann plötzlich schwarz aussieht.

Clipping und Informationsverluste sollten vermieden werden. Eine Zebra-Einstellmöglichkeit in der Kamera kann ein gutes Warnsignal gegen Clipping liefern. Clipping, das durch Reflexion von Licht an der Stoßstange oder durch Lichtquellen wie Straßenlaternen verursacht wird, kann auftreten.

Überprüfen Sie das Histogramm Ihrer letzten 20 oder 30 Bilder direkt in Ihrer Kamera. Zuerst sollte das Histogramm am rechten Rand der Darstellung geprüft werden. Achte darauf, ob dort nur ein Punkt oder sogar eine durchgehende Linie bis zum oberen Rand zu sehen ist. Wenn ja, dann liegt ein gefährliches Clipping vor, welches auch in der Bildsoftware sichtbar wird.

Sollte noch freier Platz vorhanden sein, wurden möglicherweise Details und Qualität verschenkt. In Deutschland ist die Technik des nach rechts Belichtens nur wenigen bekannt, während es für amerikanische Fotografen eine Selbstverständlichkeit ist, nach dem Histogramm zu belichten und dabei die ”Go to the Right”-Regel zu beachten.